Frauensingen in den Heideklöstern 2.0 - Rückblick
Sieben Tage von Kloster zu Kloster: singen, pilgerwandern, lauschen, staunen, begegnen, lernen, genießen … Der Verband evangelischer Chöre in Hessen und Nassau machte es möglich. 32 Frauen, v. a. aus Hessen, erlebten mit einem dichten, wohltuend organisierten Programm einen Höhepunkt nach dem anderen. Der Text der Ausschreibung hat nicht zu viel versprochen: Singen und Spiritualität in klösterlicher Umgebung, Kunst und Kultur, gemeinsam mit anderen Frauen hervorragend erhaltene Klosteranlagen des Mittelalters kennen lernen: Isenhagen, Ebstorf, Walsrode, Medingen, Wienhausen und Lüne in Lüneburg.
Wo anfangen, um diese sieben Tage auch nur annähernd wiederzugeben? Wie sortieren, um die Eindrücke aus den verschiedenen Klöstern nicht zu verwechseln und zu vermischen?
Gleich zu Beginn erhielt jede Teilnehmerin eine mit dem Namensschild versehene handliche Mappe mit allen notwendigen Unterlagen: Noten mit Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten, Broschüren über die verschiedenen Klöster, Stadt- und Ablaufpläne … schon daran war zu erkennen, wie aufwändig, professionell und liebevoll die Vorbereitung vonstattengegangen war. An alles wurde gedacht. Für die Organisatorinnen, allen voran Ursula Reichert, müssen das viele Stunden gewesen sein. Der Tag begann mit gemeinsamer Andacht, den für den jeweiligen Tag notwendigen Ansagen und schließlich der Chorprobe, wunderbar gestaltet und geleitet von Barbara Müller. Sie brachte es fertig, dass aus dieser Gruppe von Frauen aus ganz unterschiedlichen Regionen und Chören innerhalb kurzer Zeit ein Chor wurde. Domizil während der Woche war das Missionarische Zentrum in Hanstedt mit ausgezeichneter Verpflegung.
Der Nachmittag gehörte den Ausflügen, meist per Reisebus, der Abend endete dann wieder mit einer Chorprobe, der auch an zwei Abenden Kurzvorträge folgten, Einstimmungen auf Besonderheiten am darauffolgenden Tag: Glasfenster im Kloster Ebstorf, Handschriften im Kloster Medingen. Was wäre gemeinsames Singen ohne Ziel? Wir probten zur eigenen Freude und natürlich auch, um gemeinsam in den Klöstern zu singen, in Ebstorf auch mit einem offenen Singen mit der eingeladenen Gemeinde und in der Mitgestaltung beim sonntäglichen Gottesdienst mit anschließendem Mittagessen auf der Wiese vor der Kirche mit der Gemeinde – ganz zum Schluss der Singwoche.
Kloster Walsrode ist das älteste unter den sechs Heideklöstern. Wie die anderen Klöster auch, wird es seit Jahrhunderten bis heute von Frauen gestaltet und bewohnt. Es sind Orte mit viel Geschichte und Geschichten. Sie bieten und boten alleinstehenden Frauen die Möglichkeit, in Selbständigkeit zu leben. Auch nach der Reformation, meist bis Mitte des 20. Jahrhunderts, waren sie Frauenklöster, die dem Adel vorbehalten waren. Die Bewohnerinnen lebten zunächst meist nach den Regeln des Heiligen Benedikt, waren Benediktinerinnen oder Zisterzienserinnen. In evangelischer Zeit ab ca. 1540 genossen sie jedoch größere Freiheit als Frauen in anderen Ordensklöstern mit strengen Regeln. Heute sind es bürgerliche, evangelische Frauen, die sich nach ihrem Berufs- oder Familienleben für ein Leben in Gemeinschaft entschieden haben. Die Konventualinnen, die Mitglieder des Konvents, müssen vor dem Eintritt ihre finanzielle Absicherung vorweisen. Sie übernehmen bestimmte Aufgaben im Kloster, z. B. Führungen und bekommen dafür im Kloster eine eigene Wohnung zur Verfügung gestellt. „Eine Mischung aus Weltoffenheit und protestantisch geprägtem Christentum, gepaart mit Geschichtsbewusstsein und Traditionspflege“ so die Erwartung an die Frauen. „Das Kloster ist kein Museum“ wurde uns wiederholt bei den Führungen vermittelt. Es sind Orte voller Leben, sie stehen der Öffentlichkeit mit einem Bildungsprogramm zu ausgewiesenen Zeiten zur Verfügung. Dem Kloster steht eine Äbtissin vor. Sie ist von der Klosterkammer Hannover angestellt und erhält ein Gehalt. Sie gibt der Gemeinschaft und der inhaltlichen Ausrichtung des jeweiligen Klosters den Takt und die Richtung vor.
Einige „Blitzlichter“ aus diesen sieben Tagen, die in Erinnerung bleiben:
der uralte Lindenbaum am Eingang des Klosters Isenhagen,
der Gang durch strömenden Gewitter-Regen im Klostergarten,
Klostergärten, die zum Verweilen einladen
die beeindruckenden Kreuzrippenbögen mit den Schluss-Steinen und den Relief-Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament,
die klaren, tiefen Farben der Buntglasfenster, Elias im „feurigen Wagen“ der gen Himmel fährt, nicht gleich zu erkennen;
die vielen Truhen auf den Gängen, Mitgift der ehemaligen Nonnen und Konventualinnen;
viele Portraits von Äbtissinnen und Konventualinnen, mit zumeist strengen, ernsten Gesichtern, die meisten aus der Zeit nach der Reformation;
die Geschichte von einer Priorin, die – wie ihre Mitschwestern – durch die Reformation zum Protestantismus übertreten muss und die dem unliebsamen evangelischen Prediger einen Pantoffel auf die Kanzel wirft, weil ihr die Predigt missfiel;
das Singen bei der Vesper im Kloster Lüne im Nonnenchor, fünf Glockenstränge, die von der Decke herab bis zum Boden reichten und dort als Schnecke eingerollt waren; einige Teilnehmerinnen haben es ausprobiert und die Glocken zum Läuten gebracht.
In Erinnerung bleibt auch die wunderbare Musik unserer vier Instrumentalmusikerinnen in der Kirche von Kloster Ebstorf
und die Bildtafelerklärung auf dem Auferstehungsweg nach Kloster Ebstorf durch Elke Stern-Tischleder.
Und schließlich auch die klare Ansage einer Konventualin an die Gruppe, an der Führung mit Konzentration und ohne Handy teilzunehmen, still zu stehen und still zu sitzen, wenn Fußböden und Stühle knarzen. Die Vorgabe war durchaus wirksam.
Und vieles mehr. Jede Teilnehmerin hat ihre eigenen Erinnerungen und Ergänzungen und mag hier für sich ergänzen.
Der Abschluss der Woche fand an dem Ort statt, wo das Frauen-Singen begann: im Kloster Ebstorf, auf der Wiese vor der Kirche. Elke Stern-Tischleder ließ uns im Kreis versammeln. Die Frauen standen hintereinander, rechte Hand auf der rechten Schulter der Vorderfrau, die linke Hand zeigte geöffnet nach innen. Elke sagte uns den Segen vor und wir alle sprachen ihn nach:
Gott segne und behüte uns auf (all) unseren Wegen.
So haben wir uns voneinander verabschiedet.
Der eine oder andere Ohrwurm aus den gesungenen Chorstücken wird uns noch eine Weile begleiten, uns erinnern an sieben Tage – unterwegs in den Heideklöstern. Sie waren ein Geschenk für alle Sinne. Danke dafür.
Christine Klein, Benediktbeuern
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Frauensingen in den Heideklöstern 2.0 (DO, 14. August 2025)









































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