Erstes Forum FrauenSingen
Frauenchöre vor Ort. Singen bewegt.Am 1. September 2007 fand in Otzberg-Hassenroth (Odenwald) das 1. Forum FrauenSingen statt. Die Veranstaltung war eine Kooperation des Zentrums Verkündigung, Referat Chor- und Gemeindesingen und des Fachausschusses Frauenchöre des Chorverbands und konzipiert als Treffen für singende Frauen, Frauenchöre, Frauenchorleiterinnen und -leiter. Das Konzept des neuen Forums FrauenSingen ist die Vernetzung von Frauen und Frauenchören, Erweiterung der sängerischen und gestalterischen Möglichkeiten in (Frauen)chören, Kennenlernen und Auffinden von Noten. Frauenchöre vor Ort Schwerpunkt des Forums ist „Frauenchöre vor Ort“
- eine Möglichkeit für Chöre und Sängerinnen einer
Region, einander außerhalb der normalen Chorarbeit im eigenen
Chor zu begegnen und miteinander zu musizieren. Gemeinsame Projekte
können daraus natürlich auch erwachsen. Für
TeilnehmerInnen von weiter her ist es die Gelegenheit, Chöre und
Chorarbeit der gastgebenden Region mit ihren spezifischen Bedingungen
zu erfahren.
Der Morgen war dem Workshop „Lieder à la Gospel (deutsch)“ gewidmet. Regina Neuser brachte den Frauen mit Begeisterung und Rhythmus eine Auswahl von Liedern näher, die in Gospelmanier zu singen auch für Kirchenchöre, die dem Englischen nicht so zugeneigt sind, auf Deutsch möglich ist. Die Kreativität anzuregen und durch Musik und gute Laune Freude und Schwung in die Kirche zu bringen, war das Anliegen, das Regina Neuser gut gelang. In den Pausen und zwischendurch wurde viel gelacht, die Simmung war von Anfang an sehr gut. Neben dem Singen und dem Spaß daran gab es aber auch viele Möglichkeiten der Information und Gelegenheit zu Fachsimpeleien der anwesenden Chorleiter/innen. Die Notenausstellung Frauenchorliteratur, die der Fachausschuss Frauenchöre zusammengestellt hatte sowie die Noten des Chorverbands, die für Frauenchöre zum Sonderpreis angeboten wurden, fanden reges Interesse. In der Mittagspause wurde das Pilotprojekt des Fachausschusses Frauenchöre „Datenbank Frauenchornoten“ vorgestellt. Singen bewegt.Am Nachmittag begann dann der eher experimentelle Teil, der konzeptionell „Anregungen von außen“ bringen soll. Unter dem Titel „Singen bewegt“ wurden von der Theaterpädagogin Ilona Levin aus Frankfurt Impulse für neue Wege in der Chorarbeit gegeben. Ein am Vormittag geübtes Lied wurde nachmittags in seinen inneren - seelischen Dimensionen ausgelotet und das ganz individuelle Verständnis des so einfach scheinenden Textes („Auf allen Wegen, Gottes Segen“) in individuellen Ausdruck und gemeinsame Bewegung gebracht. Die Frage war: wie könnte es möglich sein, die Texte, die gesungen werden, innerlich mit Leben zu erfüllen, ihnen im Bezug zum eigenen Leben zu begegnen, den ganz persönlichen Ausdruck zu finden und dabei doch gleichzeitig in der Gruppe (im Chor) eingebunden zu sein und schließlich, last but not least, eine gemeinsame Aufführung zu finden. Eine Herausforderung… Es wurde deutlich: Singen und Bewegung bedingen sich, innere Bewegung und äußere Bewegung, inneres Bild und äußeres Singen kommen in Berührung. Die Entfaltung der üblicherweise in der Chorarbeit nicht so entwickelten Anteile (innerer Ausdruck, innere Bilder, Bewegung) benötigt natürlich Zeit, die zunächst investiert werden muss; erst dann kann das Singen wieder hinzukommen. Es bleibt dem Chor und dem/der Chorleiter/in überlassen, das mit den vorgestellten Methoden gesammelte innere Material dann tatsächlich auch für eine Aufführung zu nutzen oder „nur“ die Probenarbeit vertiefend zu begleiten. Dass diese Art des Umgangs mit Texten und Musik, Chorsingen, ein komplizierter Prozess ist, wurde klar, als es um die Umsetzung und Zusammensetzung der Kleingruppenarbeiten zum Thema „auf allen Wegen“ in der großen Gruppe für die Aufführung in der abschließenden Andacht ging. Die Zeit war eigentlich zu kurz, um hier mit der geübten Sorgfalt und Kreativität eine für alle passende Veranstaltung zu erfinden. Dass es trotz der knappen Zeit und der großen äußeren und vor allem inneren Anstrengung, die das ungewohnte Arbeiten mit sich brachte, im Großen und Ganzen gelungen ist, ist auch der Geduld und dem Engagement der beteiligten Frauen zu danken, die das allmähliche Reifen der Gestaltung, der Regie aufmerksam aufnahmen und eigene Ideen zur Fortsetzung im Gruppenprozess einbrachten. Damit das Singen weiterhin bewegt, darf es bewegt sein, von Ideen, von neuen Impulsen und – auch misslungenen – Experimenten. Nur so kann Chorleitung weiter lebendig bleiben. Die experimentellen Veranstaltungen sollen im Forum FrauenSingen weiterhin ihren Platz haben – Kontroversen sind ausdrücklich erwünscht! Leben ist nicht Langeweile und das, was frau sowieso schon weiß und erwartet.
Ursula Reichert |
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